1 Das älteste Gewerbe der Welt?

Prostitution wird gerne als das älteste Gewerbe der Welt beschrie-ben. Doch ist es das wirklich? Der erste Nachweis von Prostitu-tion ist uns aus dem Gilgamesch-Epos überliefert, das auf die Zeit 1800–1200 v. Chr. datiert ist. Kulturelle Strömungen und Ansichten existierten jedoch bereits weit vor 10.000 v. Chr. – allen voran das Matriarchat, die Kultur der Mutterschaft. In matriarchalen Kulturen, die auch heute noch bestehen, gibt es keine Prostitution.Um Sie ein wenig auf das Thema Prostitution einzustimmen, erhalten Sie kurze Einblicke in fünf Epochen und deren Umgang mit dem vermeintlich ältesten Gewerbe der Welt. Klar ist, dass die Welt-geschichte der Prostitution alleine ein ganzes Buch füllen würde, wie es Die neue Weltgeschichte der Prostitution bereits tut, geschrieben vom Historiker Nils Johann Ringdal (1952–2008), aus dessen Werk ich mich weitestgehend bedient habe.

 

Tempel, Triebe, Testamente

Die Tempeldienerinnen (ca. 1800 – 1200 v. Chr.)

Prostitution im alten Testament (ca. 1000 v. Chr.)

Hetären im antiken Griechenland (ca. 500 v. Chr. – 50 n. Chr.)

Die berühmtesten griechischen Prostituierten der Antike waren die sogenannten Hetären. Das Wort Hetäre (hetairai, Gefährtin) leitet sich aus dem Wort hetairoi ab, was so viel wie Genosse, Kamerad heißt und war gleichzeitig die Legitimation dieser Frauen zur Teilnahme am Symposion. Prof. em. Dr. Wolfgang Schuller, Universität Konstanz, vergleicht in seinem Buch Die Welt der Hetären deren Stellung damals mit den heutigen Callgirls oder Escortdamen. Er analysierte im Besonderen das Phänomen der Hetären, beachtet dabei aber auch andere Formen der Prostitution. Die Aufgabe der Hetären war es vor allem, als willkommene Begleiterinnen zum Symposion zu erscheinen.

Oft waren es Frauen aus armen Verhältnissen, die es durch ihre Schönheit geschafft haben, zur Hetäre eines Symposiasten zu werden. Weiter waren Hetären in der Regel Ausländerinnen, freie Inländerinnen der unteren Schichten und oft sogar (ehemalige) Sklavinnen. Die Frauen nutzten ihre Rolle, um gesellschaftlich aufzusteigen, was bereits die Bezeichnung Hetairai förderte, da diese positiv konnotiert war. Das Symposion muss man sich als Ess- und Trinkgelage vorstellen, zu dem nur Männer der obersten Gesellschaftsschicht zugelassen waren. Es diente dem sozialen Austausch unter Gleichgesinnten, begleitet von Philosophie, Musik, Gesang, Tanz und Erotik. Man könnte es mit einem heutigen sogenannten Gentlemen’s Club vergleichen, gepaart mit Wein, Weib und Gesang. Doch die Anwesenheit der Hetären war nicht nur erotischer Natur, sie dienten auch als intellektuelle Gesprächspartnerinnen, elegante Verführerinnen und Künstlerinnen, und das auch nicht nur zum Symposion, sondern zu sämtlichen gesellschaftlichen Anlässen, während die Ehefrauen meist an den häuslichen Herd gebunden waren. Das veranlasste die Feministin Simone de Beauvoir zu der Aussage: »In einer Hetäre bekundet sich die Überlegenheit der emanzipierten Frau über die ehrsamen Familienmütter.«

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Prostitution und die Kirche (ca. 1000 – 1500 n. Chr.)

Die Kirche und ihr Umgang mit Prostitution

Die Kirche und ihr Umgang mit Prostitution

Prostitution in der Nachkriegszeit (um 1950)

 

Das Prostitutionsgesetz (ProstG) 2002

Ein Meilenstein der Prostitution in der jüngeren Vergangenheit ist das am 1. Januar 2002 in Kraft getretene ProstG. Das rechtspolitische Ziel des Gesetzes war die Beseitigung der bestehenden rechtlichen Benachteiligungen von Prostituierten. Laut Gesetzesbegründung war die Intention: “die Rechtsposition von Prostituierten zu stärken, Zugang für Prostituierte zu sozialen Sicherungssystemen zu schaffen und die Arbeitsbedingungen von Prostituierten zu verbessern”.

Bis zum Inkrafttreten des neuen ProstG war die vertragliche Beziehung zwischen einem Kunden und der Prostituierten sittenwidrig, was zur Folge hatte, dass der »Hurenlohn« nicht einklagbar war. Das hatte dann dazu geführt, dass die Prostituierten ihren Lohn vorab kassierten. Das ProstG regelt jetzt, dass Prostituierte eine rechtswirksame Forderung gegen den Kunden bzw. gegen den Bordellbetreiber (für das Bereithalten der sexuellen Handlung) erwerben. Das heißt, das Entgelt ist jetzt einklagbar. Demgegenüber hat der Kunde aus dem Vertrag keine Ansprüche auf die Vornahme von sexuellen Dienstleistungen. Der Gesetzgeber hat mit diesem Konstrukt die Rechtsposition von Prostituierten gestärkt und diesen damit ein hohes Maß an sexueller Selbstbestimmung gegeben.

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